hechtsuppe's Blog

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Dein Wille

 Als alles gesagt,
alle Fragen bearbeitet,
alle Antworten gefunden,
- oder wahlweise -
als für zu schwierig befunden.


War für einen Moment lang,
zumindest für einen Nachmittag
dieses ausdrucksstarke Schweigen,
in dem ich die Zeit fand,
dich mir endlich zu zeigen.


Ich lauschte dem Hall deiner Worte,
genoss die Zärtlichkeit des Raumes
zwischen deinen Zeilen,
die ich kaum wahrhaben will
und die in meiner Seele verweilen.


Seit heute weiß ich,
was ich zwar längst ahnte,
doch nie greifen konnte
von dem ich bislang nicht wusste,
wie ich es dir beschreiben sollte.


Das Geheimnis deines Daseins,
ist nicht etwa dein Leuchten,
das Verirrte durch den Nebel leitet,
und sie durch die stürmische See  
sicher nach Hause geleitet.


Würde auch allein das längst genügen,
dich dafür zu lieben,
dich in mein Herz zu schließen
und jede Sekunde deiner Aufmerksamkeit,
die du mir schenkst, zu genießen.


So ist die Wahrheit
noch weit größer,
in seiner Wirkung magisch,
bedeutend, und für nicht Wissende
beinahe schon wieder tragisch.


Denn deine wahre Größe,
deine Kunst,
das ist dein bloßer Wille,
mit dem du nicht nur andere führst,
sondern es sogar verstehst,
einen ganzen Ozean,
der eben noch riesige Wellen geschlagen,
so zu beruhigen,
dass seine Wut deiner Liebe weicht,
und die Welt beschenkt,
mit seiner Anmut
und seiner Stille.
 

Irgendwann zwischen neulich und heute

 
Neulich sah ich dich tanzen,
obsessiv in einem wehendem Kleid,
zu Musik, die nur für dich geschrieben,
und hätte es sonst jemand beobachtet,
der wäre geplatzt vor Neid.


Neulich hörte ich dich singen,
laut und in den höchsten Tönen,
inbrünstig und voller Leidenschaft,
als wolltest du wider ihrer Natur
Moll und Dur miteinander versöhnen.


Neulich sah ich dich reden,
hoch konzentriert und gestikulierend,
entwaffend verständig blickend,
deinem Gegenüber aufmerksam zuhörend
und stest gewand formulierend.


Neulich sah ich dich brennen,
lichterloh in deiner Asche stehend,
alles was dich berührte entzündend,
voller Anmut deine Flügel ausbreitend
und dich in den Himmel drehend.


Neulich sah ich dich leuchten,
als mich nichts als Dunkelheit umgab,
ein ferner Schweif am Horizont,
der mich zu dir führte,
der mir mein Lächeln wieder gab.


Neulich sah ich dich weinen,
herzzerreißend tränenreich,
von der Traurigkeit überwältigt,
deine Wangen in den Händen vergraben,
und wer Zeuge war, tat es dir gleich.


Heute sehe ich mich,
wie ich mich dir sacht entgegenwiege
und heute höre ich mich,
wie ich es dir flüstere,
wie sehr ich dich für dies alles liebe.

Verfilzte Beziehungen

Eine links, eine rechts,
eine fallen lassen,
zwei links, zwei rechts,
mit dem Finger aufbohren?

Nein, eine fallen lassen!
Drei links,
drei rechts...
Faden verloren.


Konzentrieren,
anvisieren,
einfädeln,
Stopfei positionieren.

Krampf in der Hand,
falsches Garn,
weg damit - wobei -
die Farben harmonieren.


Von vorn anfangen.
Muster aussuchen,
sie für eines
von vielen entscheiden.

Linientreu bleiben,
um die Finger wickeln,
und immer schön
alles glattstreifen.


Bloß nichts verfilzen.
Und wenn sich
Luftmaschen bilden?
Fallen lassen!

Maßband anlegen,
Länge abmessen
und einen flotten
Schnitt verpassen.


Zügig abwickeln,
gerade schneiden,
und dabei das
Temperament zügeln.

Zusammenfalten,
sauber ablegen;
und nach dem Waschen?
Ganz wichtig - bügeln!


Nahtstellen lösen,
auftrennen,
und danach
alles zerreisen.

Das Material
wahlweise umtauschen
oder gleich
wegschmeißen.

 

Erfüllt

 

Woher stammt nur mein Sehnen?
Doch nicht aus einer Fremdbestimmung,
weil andere sagen, dass mir etwas fehle
und wohl kaum aus meinen Genen.


Woher stammt nur mein Leuchten?
Da ist niemand, der den Schalter drückt,
niemand, der den Strom besorgt,
wie wir ihn alle manchmal bräuchten.


Woher stammt nur mein Antrieb?
Meinen Hals zu strecken, zu lächeln,
Augen und Ohren offen zu halten,
und das obwohl mich keiner anschiebt.


Woher stammt nur meine Wärme?
Denn ich bin weder aus Holz gebaut,
das in einem großen Ofen feurig lodert,
noch das Funkeln aufgehender Sterne.


Woher stammt nur meine Erkenntnis?
Habe ich etwa sämtliche Bücher verschlungen,
bin ich etwa nicht genauso dumm wie andere?
Ich hatte doch nicht nur Einsen im Zeugnis.


Woher stammen nur meine Antworten?
Zwar bin ich alt, aber keinesfalls weise,
bin voller Fehler und erhalte zurecht Tadel.
Sie stammen doch nicht aus Wikipedia und Konsorten.


Eines Tages habe ich einfach aufgehört zu warten.

Auf bessere Zeiten, auf ein Zeichen,
auf die Liebe, erst recht auf materiellen Segen,
oder auf den Frühling draußen im Garten.


Meine Bestimmung ist nicht,
meine Arme in die Luft zu strecken,
bis mich jemand zieht.

Meine Bestimmung ist nicht,
auf das große Glück zu hoffen,
sofern es mich sieht.

Meine Bestimmung ist nicht,
mich klein zu machen,
um auf den Arm genommen zu werden.

Meine Bestimmung ist nicht,
noch ewig weiter zu jammern,
trotzend aller Beschwerden.


Erfüllender ist es, nicht mehr zu fragen.
Erfüllender ist es, es einfach zu tun.
Nach Herzenslust zu lieben,
jemanden sanft zu berühren,
zu umarmen, so vieles zu geben,
jemandem seine Bedeutung zu sagen.

Erfüllend ist nicht, erleuchtet zu werden,
Erfüllung bedeutet zu strahlen!

 

Chronik

Chronik (eines lyrischen Ichs)

 

Im ersten Jahr
entschied man sich,
mir eine Rassel zu schenken.
Nicht des netten Geräusches wegen,
sondern schlicht,
um mich vom vielen Schreien abzulenken.


Im achten Jahr
träumte ich von einer Villa;
die stand in Schweden und war kunterbunt.
Aber nicht nur des kleinen Onkels wegen,
denn ich wollte schon damals
noch lieber einen Hund.


Im zwölften Jahr
trieb ich von morgens bis abends
fast ausschließlich Sport.
Und weil mir das wichtiger als die Schule war,
bekam ich ständig Ärger
und musste regelmäßig zum Rapport.


Im siebzehnten Jahr
fiel mir der widerspenstige Ball
des Öfteren aus den nassen Händen.
Nicht weil es mir plötzlich an Talent mangelte,
sondern weil ich etwas im Auge hatte -
brünett, von den Schultern bis zu den Lenden.


Im zwanzigsten Jahr
sah ich so unsagbar viele
alte und gleichermaßen junge Menschen sterben,
so dass ich mich fragte,
ob es wirklich der richtige Weg ist,
Florence Nightingale zu beerben.


Im sechsundzwanzigsten Jahr
wurde ich verhaftet -
schuldig im Sinne der Anklage.
Denn ich war noch auf dem Markt,
und weil man das ändern wollte,
besiegelte ein Ring das Ende aller ledigen Tage.


Im neunundzwanzigsten Jahr
an einem kühlen Morgen um neun,
weinte ich vor Glück.
Knapp dreitausend Gramm Opium für das Herz,
ich war gleich so verliebt in den Kleinen,
darauf blicke ich so gern zurück.


Im einunddreißigsten Jahr
entdeckte ich ein Häuschen im Grünen
und nahm es in Beschlag.
Als nur wenig später Wasser in den Keller brach,
war guter Rat teuer:
"Siehste, ich hab's doch gleich gesagt."


Im dreiunddreißigsten Jahr
lernte ich, dass ich keine Maschinen brauche,
um überall hin zu reisen.
Es genügt ein Blatt Papier,
ein Bleistift und die Kraft meiner Gedanken,
die mir meine Pfade weisen.


Im fünfunddreißigsten Jahr
erfüllte ich mir einen
lange gehegten Kindheitstraum.
Und ich war einer der Wenigen,
der das ohne Raketenantrieb schaffte -
ich flog in den Weltraum.


Im sechsunddreißigsten Jahr
lernte ich ohne zu bellen oder zu jaulen,
wie ein Tier zu denken und zu sprechen.
Ich suchte mir einen Bau,
um mich bei Gefahr darin zu verkriechen,
während andere versuchten mich zu brechen.


Im vierzigsten Jahr
wusste ich mit einem Mal,
ich war endlich universal entgrenzt.
Keine Rolle zwischen Flora, Fauna und Menschheit
war mir nun mehr fremd;
ich weiß nicht, ob du das kennst.


Und die Zeit blieb stehen,
keine Jahre vergingen mehr,
denn ich konnte sie anhalten,
indem ich mit dem Finger schnippte.
All die Vergänglichkeit - ausgelöscht,
um zu leben, anstatt zu verwalten.


Der Himmel öffnete sich
um mich zu umarmen
und um sich mit mir zu einen.
Die Nacht nahm mich in ihren Schoß,
bettete mich auf Wolken,
und war stets Zeuge in meinen Träumen.


So lernte ich Wasser zu werden,
um in jede noch seine kleine Ritze
dieser Welt zu fließen,
in der Luft zu verdampfen,
um später als mächtiger Regen
meine eigene Saat zu begießen.


Mangelt es an Licht - nicht schlimm,
denn ich kann auch im Dunkel sehen,
mich in einen Schatten verwandeln,
Häuserwände und Gassen bedecken,
und genauso eifrig
wie am Tage handeln.


Ich wurde zu Sternenstaub,
umhüllte damit sanft fremde Seelen,
ohne es zu müssen.
Und weiter sage ich,
man kann Herzen zwar im Sturm erobern,
man kann sie aber auch mit Worten küssen.


Selbst wenn ich ein Baum bin,
werde ich in alle Richtungen ausschlagen,
mit meinen nicht enden wollenden Trieben.
Auch wenn das andere
als Größenwahn interpretieren,
ich nenne es lieben.


Vers für Vers,
Zeile für Zeile,
Wort für Wort,
Unsterblichkeit.
Meine Hülle ist nebensächlich,
wegen mir - nehmt sie hinfort.


Und wer das im Ansatz begreift,
wen all das nicht abschreckt,
mit dem bin ich längst quitt.

Und wer mich nicht nur trotz allem,
sondern gerade deshalb liebt,
den nehme ich auf meinen Reisen mit.