hechtsuppe's Blog

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Nicht ohne Grund

Die Gräser überwucherten die Felder,
die Sträucher wuchsen in den Himmel,
die Natur explodierte hemmungslos,
und da ich darin zu verschwinden drohte,
machte ich mich groß.


Man erbaute ein beispielloses Jammertal;
so unendlich riesig in seinen Ausmaßen,
man musste sich einfach Sorgen machen,
und da mich die Melancholie so sehr bedrohte,
entschied ich mich lange und keck zu lachen.


Viele Lasten drohten mich zu erdrücken,
von allen Seiten wollte man mich beladen,
ich hatte genug von all dem Ganzen.
Also zog ich meinen schweren Rucksack aus
und begann wie wild zu tanzen.


Andere wollten mir das Wort verbieten,
mich lieber heute als morgen
und entgültig zum Schweigen bringen.
So beließ ich es nicht nur mehr beim Reden,
sondern entschloß, nach Herzenskräften auch zu singen.


Schließlich wurde alles immer lauter;
überall polterten und dröhnten Weltverbesserer,
die universelle Siegertypen schufen,
und da mich niemand mehr zu hören schien,
lernte ich außerdem noch lauter zu rufen.


Aber falls mich jemand fragen sollte,
warum ich mir diese Mühe machte,
ob mein Geltungsbedürfnis überschwappe
und ob mein Verstand jetzt schwindet,
würde ich verlegen lächeln und antworten:
"Nein,
ich will nur nur wirklich sichergehen,
dass sie mich in diesen wirren Zeiten findet."
 

Du findest sie


Im Hauch meines Atems,
am Bild meines Ganges
und manchmal
im Blick meines Verlangens.


In der Bedachtheit
meiner Gesten,
im Farbton meiner Wangen -
dort wohl am ehesten.


Im Mut meiner Hoffnung,
in der Wahl meiner Worte,
die ich von hier entsende
an alle Orte.


In der Konsequenz
meiner unerschöpflichen Geduld,
in meiner Reue
an jeglicher Schuld.


In der Melodie
meiner Stimme,
in meiner Hingabe,
mit der ich dich
für mich gewinne.


In der Ewigkeit
meiner Zeilen,
in meinen wärmenden Gedanken
die bis zum letzten Atemzug
bei dir verweilen.

 

Heartland

Kurz nach Sonnenaufgang,
ein Geruch
von feuchtem Moos,
der den Weg
durch mein Fenster sucht.


Bäume, noch vom Nebel umarmt,
die mich im Winde rufen,
die dicht an dicht,
die wie stets zu dieser Jahreszeit,
ihren besonderen Zauber schufen.


Ein seichtes Tal,
mit einer Lichtung,
erreiche ich nur wenig später,
umsäumt von Tannen,
in jeder Himmelsrichtung.


Mitten hindurch
windet sich ein Bach,
reich an klarem Wasser,
das sich seinem Weg ebnet -
mit Macht.


Ein Baumstumpf,
auf den ich mich setze,
um auszuruhen
und um innezuhalten,
wider der alltäglichen Hetze.


Du verspätest dich
und bist verwundert,
als ich trotzdem lächle.
Dieser Ort ist ohne Zeit,
jede Minute gleich einem Jahrhundert.

la siesta

Ein Flimmern in der Luft,
gepflasterte, enge Straßen,
Häuser mit kurzen Schatten,
ein Hauch von Rosmarin als Duft.
 
 
Menschenleer - wie verlassen,
für ein paar Stunden,
ehe wieder das Leben pulsiert,
in den Läden und in den Gassen.
 
 
Aus einem Fenster hallt leise Musik;
Gitarren von Kastagnetten begleitet,
wechselnde Takte und Rhythmen,
zeitlos, nicht modern, aber auch nicht antik.
 
 
Eine noch junge, schwarze Katze
auf einem Sims im Haus gegenüber,
sich mit geschlossenen Augen säubernd,
mit der klebrigen Zunge auf ihrer Tatze.
 
 
Von schmalen Gardinen verziert,
die der heiße Wind sanft umspielt,
dadurch kurze Blicke dahinter erlaubt -
für den, der es neugierig riskiert.
 
 
Auf ein geräumiges Zimmer -
spartanisch eingerichtet mit einem Stuhl,
einem kleinen Tisch, bedeckt mit etwas Staub
verräterisch nur im Sonnenschimmer.


Emsig arbeitend, für kühlende Zwecke,
die summenden und rotierenden Blätter
eines betagten Ventilators,
hoch oben an der Zimmerdecke.


Direkt darunter ein Gestell,
die Enden aus Messing geschwungen;
dazwischen straff gespannte Laken,
weiß und strahlend hell.


Der helle Kontrast, der hier im Auge liegt,
unterbrochen nur von etwas Haut,
die sich als Hülle schützend
um einen Körper schmiegt.


Barfuß - von den Zehen,
bis hoch zum Hals;
und nur die letzte Blöße
mit einem Stück Leinen versehen.


In verführerischer Pose,
auf dem Rücken regungslos liegend,
und alles was jenseits dieses Raumes ist,
driftet in diesem Moment ins Bedeutungslose.


Die Lider verschlossen und entspannt,
die Lippen zart benetzt
und einladend leicht geöffnet,
der Kopf gebettet in der rechten Hand.


Betörend, atemberaubend geradezu,
die lockenden Pheromone,
die aus allen Poren kriechen,
und einen verschlingen - im nu.


Die heiße Luft der mittäglichen Stunde,
die alles zum Fließen
das Blut zum Kochen,
alles zum Knistern bringt - zu jeder Sekunde.


Den Brustkorb hebend und senkend,
um sie ein- und wieder auszuatmen,
im gleichförmigen und tiefen Takt,
berauscht, hoffnungsvoll hingebend.


Bis alles verschwimmt vor deinen Augen,
und mit jedem Atemzug gelingt,
dich willenlos, Stück für Stück
- so unendlich nah -
zu sich zu saugen.

 

Retour

Ich kann es drehen,
ich kann es wenden,
ich kann es leugnen,
ich kann es verlachen,
ich kann es von mir stoßen -
mit beiden Händen.


Ich kann mich in Arbeit stürzen,
oder mir Geschichten ausdenken,
mich in Träume flüchten,
mit jemandem flirten,
Nebensächlichkeiten Aufmerksamkeit schenken,
nur um mich abzulenken.


Ich kann mich in Schale werfen,
den dicken Max markieren,
flotte Sprüche klopfen,
wortgewandt das Leben kommentieren,
stundenlang und gestenreich rezitieren,
und mich damit in Belanglosem verlieren.


Ich kann mich gehen lassen,
auf die tägliche Rasur verzichten,
faul auf dem Sofa liegen,
mich fernbedienend unterbelichten,
auf sämtliche Bücher verzichten
und die Weinvorräte vernichten.


So viele Privilegien,
schön, was ich alles kann!
Und doch ist das alles nichts,
was mich auf dem Boden hält,
mich gleichzeitig zum Fliegen bringt;
- widersprüchlich -
als Mensch und als Mann.


Hätte ich es nicht erlebt,
ich würde es nicht wissen,
wie es sich anfühlt,
auf verbrannter Erde zu stehen;
ohne jegliche Habseligkeiten
und ohne etwas zu vermissen.


Es gibt daran Erinnerungen,
Bilder, Gerüche und Stimmen.
Je für sich hilfreich,
um Fesseln zu lösen,
um Ketten zu sprengen,
sich auf Wesentliches zu besinnen.


Und anstatt mich vor der Gegenwart zu verschließen
und mich der Wahrheit zu erwehren,
werde ich nun suchen.
Mit dem Sextanten meiner Erinnerungen,
um eines Tages
an diesen Ort zurückzukehren.